(Ein Gastbeitrag von Frank Blumenfeld)

Durch einen “Justizirrtum” verlor ich 2010 fast alles! Deshalb stelle ich mir schon lange die Frage, was Politiker/innen im Falle der rapide gestiegenen Obdachlosen-Zahlen in den letzten Jahren in Deutschland zu tun gedenken. Schätzungen zufolge hatten im Jahre 2014 etwa 335.000 Menschen keine Wohnung. Und die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAWG) erwartet bis 2018 einen weiteren Anstieg der Wohnungslosen um 61 Prozent auf rund 540.000 Menschen [1].
Die Zahlen, die von der BAWG bekannt gegeben werden, widerspiegeln nicht das ganze Ausmaß. Die tatsächlichen Zahlen, einschließlich der Dunkelziffer, werden auf das 10-fache geschätzt. Auch wenn in den Medien häufig nur von „Einzelfällen“ berichtet wird [2].

Auf der Facebook-Seite ”Was tun bei Obdachlos = Flüchtling im eigenen Land!“ konnte ich folgendes lesen: ” Über 20.000 Jugendliche fallen in Deutschland durch ALLE sozialen Netze! Dies ist eine Studie mit bestürzenden Zahlen vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) im Auftrag der Vodafone-Stiftung” [2].
Was viele nicht wissen, es treibt auch immer mehr Berufstätige in die Obdachlosigkeit, weil die Mieten in den Großstädten kaum noch zu bezahlen sind [3]. Oder weil Vermieter Eigenbedarf anmelden, wie im Fall Kalle Gerigk, der 34 Jahre lang eine Dachgeschosswohnung in Köln bewohnte. Rund 200 Menschen konnten zunächst die Räumung verhindern [4]. Beim zweiten Räumungstermin gab es aber kein zurück. Ich denke, wenn sich mehr Menschen an solchen Aktionen wie im Fall Kalle Gerigk beteiligen und mehr Solidarität bekunden würden, gäbe es sicherlich ein “Umdenken” in diesem Land!

Wie mit Zahlen zur Obdachlosigkeit “agiert” wird, treibt mir die Zornesröte ins Gesicht! Wie seit Jahrzehnten mit der Arbeitslosen Statistik getrickst wird, so verhält es sich auch mit den Obdachlosen-Zahlen. Eine von der Politik, nach ihren Vorgaben, schön gerechnete Statistik. Es ist also nicht verwunderlich, dass die CDU/CSU-Fraktion, gegen den Willen der Mehrheit der Abgeordneten im Deutschen Bundestag, eine bundesweite Wohnungsnotfallstatistik, die Umfang und Entwicklung von Räumungsklagen und Wohnungslosigkeit abbilden soll, ablehnt. Dabei wird eine solche Statistik von der gesamten Fachwelt seit mehr als dreißig Jahren gefordert [5].

Auch frage ich mich, warum es nicht möglich ist, das Verzeichnis der sozialen Dienste und Einrichtungen für wohnungslose Personen in der Bundesrepublik Deutschland kostenfrei im Internet zu veröffentlichen! Aber Nein, dieses Verzeichnis kann nur bei der BAGW zu einem Preis von 61,00 € (zzgl. Versandkosten) bezogen werden [6].

Wir haben in Deutschland weit über 80 Millionen Einwohner, da kann sich jeder selbst ausrechnen, dass es mit den bisher veröffentlichten Zahlen nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Alles nur Einzelfälle, wie dem “normal-Bürger” weisgemacht wird? Dazu sage ich “Nie und Nimmer”!!! Es ist mir eine “Herzensangelegenheit” zu diesem Thema nicht zu Schweigen, weil ich selbst, bis Ende 2014, für vier Jahre ein Betroffener war!
Auf meiner Homepage http://flowerfie1.square7.ch/ habe ich am 24.12.2012 mit dem ersten Beitrag „Der lange Spießrutenlauf“ begonnen, mein Schicksal zu veröffentlichen!

Quellenangabe:
[1] http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-10/deutschland-studie-obdachlosigkeit
[2] http://www.regensburg-digital.de/jobcenter-regensburg-ein-mensch-wird-erledigt/25082015/
[3] http://www.welt.de/newsticker/news1/article142363020/Studie-20-000-entkoppelte-Jugendliche-in-Deutschland.html
[3] www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.wohnungsnot-im-landkreis-muenchen-awo-immer-mehr-berufstaetige-werden-obdachlos.4af16925-74bb-4e3f-bfd9-e0b5deacc368.html
[4] http://www.welt.de/regionales/koeln/article125068257/200-Menschen-in-Koeln-verhindern-Kalles-Rauswurf.html
[5] http://www.bagw.de/de/presse/index~122.html
[6] http://www.bagw.de/de/publikationen/wo_wie.html