Diskussion

Das bedingungslose Grundeinkommen

1000 Euro für jeden, vom Baby bis zum Millionär – und das vom Staat ohne jede Bedingung, ein Leben lang. Utopisch? – Nein, realistisch!

Abhängigkeiten werden aufgelöst, ein immenses kreatives human  Potential wird freigesetzt und unsere Volkswirtschaft wird einen enormen Schub bekommen, sind die Angangshürden erst einmal genommen.

Das bedingungslose Grundeinkommen zur lebenslangen Sicherung der Existenz mit Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben ist jetzt schon finanzierbar: die heutigen Sozialausgaben/Transferleistungen betragen pro Kopf/Jahr heute schon  ca. 10.000,00 €. Dazu kommen Verwaltungskosten/Subventionen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Subventionen von maroden Firmen und Branchen und immense Verwaltungskosten durch Angestellte, die die menschenverachtenden Sozialgesetzt kontrollieren. Harz IV. Bafög, Kindergeld, Elterngeld, Wohngeld, Kurzarbeitergeld würden wegfallen, ab einem bestimmten Einkommen das BGE wieder als Steuereinnahmen zurückfließen. Eine Umverteilung findet statt, auch von Arbeit – denn Arbeit für alle, das ist heutzutage utopisch!

1000,00 € für jeden, die ohne Antrag jeden Monat auf das eigene Konto fließen, auch für Kinder. Härtefallregelungen für Zusatzaufwendungen wie teurer Wohnraum in Ballungsgebieten kann mit Wohngeld aufgestockt werden, ebenso Mehraufwendungen für Behinderte. Ein intaktes Wohnumfeld für jeden und nicht die Innenstädte für Luxus-Verdiener, neben Autobahnen, Bahnlinien, Flughafenschneiden und Sondermülldeponien das Slum-Potential für Menschen 2. Klasse. Ein immenses Potential wird freigesetzt, Selbstbestimmung statt Abhängigkeiten.
GG Art. 1 Abs. (1)
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist die Verpflichtung aller staatlicher Gewalt.
Es muss vorbei sein das Gesetzte aus dem SGB II und III das GG aushebeln auf Kosten der unteren Bevölkerungsschichten. Wenn wir nicht mehr wollen, stehen alle Maschinen still.
Art. 1 GG fängt bei der Selbstachtung an. Selbstachtung bedeutet, sich nicht ausnutzen zu lassen.
Wir haben nur eine einzige Ressource, und das ist unser Leben. Und das BGE löst Abhängigkeiten auf, und genau das ist der Grund, warum sie es uns nicht geben wollen.
Denn unsere Verwalter empfinden sich nicht als Verwalter, die für uns machen, sondern als Machthaber, die über uns Macht ausüben. Flache Hierarchien würden die Schere zwischen Arm und Reich wieder schließen.
Statt Verwaltungsblase, Harz-IV-Knebel-Almosen und überdimensionierten Subventionen für Missmanagement wird jedem einzelnen Bürger die Freiheit gegeben, sich wieder als Gottesgeschöpf mit dem natürlichen Recht auf Leben, Würde und Natur zu besinnen.
Die Frage wird heißen:

Wie bekommt man Politiker dazu, auf Machtgehabe zu verzichten?Freiheit bedeutet Eigenverantwortung, sich für sein Leben die Sinnfrage stellen, es selbst in die Hand nehmen und eine neue Richtung einschlagen, seines Glückes Schmied selbst sein. Unabhängig von Eltern, Ehepartner oder Arbeitgebern wenn die Existenz bedingungslos gesichert ist, können wir ihnen dann auf gleicher Augenhöhe gegenübertreten.
Die Frage wird heißen:

Was macht Arbeit attraktiv! Wo möchte man denn gerne Arbeiten? – Da, wo die Arbeit Spaß macht, wo es gemütlich ist, wo man sich wohlfühlt und gerne hingeht. Hetze, Druck, Mobbing, Fremdbestimmung und Niedriglohnsektor und 3. Schicht braucht kein Mensch. Und wirklich notwendige, unattraktive Arbeiten müssen eben mit besserer Bezahlung attraktiv gemacht werden. Die Wertschätzung einzelne Berufe wird sich erhöhen, die Arbeitsbedingungen sich verbessern. Der Arbeiter an sich bekommt schon mehr Wertschätzung. Die Arbeit wird sich besser verteilen und finanzielle Anreize zu einem höheren Lebensstandard führen. Denn ohne Arbeiter keine Arbeit und auch keine Chefs. Und die Gewerkschaften sichern uns mit dem Mindestlohn, dass nicht die Unternehmer das BGE für sich abschöpfen werden. Die Konzepte werden sein: Arbeitnehmerbildung, -mitbestimmung, -gewinnbeteiligung und flache Hierarchien.
Zeit oder Geld – Was ist mir wirklich wichtig? Abhängigkeiten werden aufgelöst. Bloß nicht wie heute, wo es für viele Harz-IV-Aufstocker die Vollzeit arbeiten gehen, heißt: Keine Zeit und kein Geld.
Keine Sorge: Der Mensch ist von Natur aus so angelegt, dass er aktiv sein möchte und etwas bewegen möchte, dass er sich und damit seine Umgebung entwickeln möchte. Er ist auf Evolution ausgerichtet, wird nie restlos zufrieden sein. Genug Menschen werden sich immer noch ein (besseres) Auto, einen (längeren) Urlaub, ein (größeres) Haus wünschen. Auch nicht jeder möchte sich stetig bilden. Es gibt Menschen, die arbeiten gerne in der Produktion, als Reinigungskräfte oder in der Pflege, wenn sie denn die Anerkennung und Wertschätzung bekommen, die sie verdienen und den Freiraum, dass ihnen die Arbeit auch Spaß machen darf. Arbeit gibt Sinn, Anerkennung und soziale Kontakte. Arbeit strukturiert den Tag und erweitert den Horizont.
Wir werden arbeiten wollen – und wenn es ehrenamtlich ist. Was ist aber mit denjenigen, die den Anschluss schon längst nicht mehr schaffen und wirklich nichts tun werden? Deren Anteil ist so harmlos im Vergleich zu den Folgen der Finanzblasen, die in immer kürzeren Abständen unsere Volkswirtschaften erschüttern. Alle Faulenzer zusammen können nicht so schlimme Auswirkungen haben, wie Bänker ohne humanistische Werte oder Politiker, die sich nicht mehr als Volksvertreter begreifen.
Selbst wenn Alkohol- und Drogenkonsum für kurze Zeit ansteigen würden, der Lebensüberhaltungstrieb des Menschen würde die freisetzenden Mittel schnell in eine zukunftsgerichtete Aktivität lenken wollen. Hilfestellung muss auch attraktiv präsentiert werden.
Dann müssen eben die Verwaltungsangestellten, die bisher die Harz IV- Gesetze kontrolliert haben, auf die Straße gehen und den Menschen, die in 3. Generation schon nichts mit ihrer Freiheit anfangen können, attraktive Hilfsangebote machen. Denn auch Hilfsangebote dürfen nicht unter mit Druck aufgezwungen werden.
Worauf wollen wir warten? Dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht, immer größere Teile der Bevölkerung Verslummen, die Ghettos sich verstärkt, bis die Missstände unsere ganze Gesellschaft in ihren Fundamenten erschüttert? Das Zukunftsangst und Burn-out weiter um sich greifen, die Familien noch schneller zerbrechen und noch mehr Menschen aufgeben? Dass Fremdenhass steig und die Rate der Kindesmisshandlungen noch schneller steigen? Der Druck muss aus unserer Ellebogen- Gesellschaft genommen werden.
1000 € monatlich, ein Leben lang, wird die Welt verändern! Das Potential, das damit freigesetzt wird, ist immens. Es wird unsere ganze Volkswirtschaft voranbringen. Sich zu engagieren in Bildung, Forschung und Wissenschaft, Kunst und Kultur, Ehrenamt, Familie, Gesundheit, Ökologie, Politik. Das wird sich nun jeder leisten können – wirklich jeder!
Werte wie Wirtschaftlichkeit und Wirtschaftwachstum als oberste Gebote werden hinterfragt werden. Ebenso Gewinnmaximierung statt –optimierung. Optimal für alle beteiligten Menschen und die Umwelt ist etwas anderes, als das was heute praktiziert wird. Das Management wird sich der Herausforderung stellen müssen, auf seine menschlichen Qualitäten hin geprüft zu werden. Ihre Gehälter werden wieder in Relation zur Verantwortung gestellt, die sie zu tragen bereit sind. Werte werden sich verschieben und auch die Maßstäbe.

GG Art. 14 Abs. (2)
Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen.
Wir wollen die Unternehmer nicht von ihrem Eigentum an den Produktionsmitteln enteignen, wir wollen sie nur an ihre Verantwortung erinnern.

Die Frage wird hießen:
Wie bekommt man Unternehmer dazu, auf Gewinnmaximierung zu verzichten?
Auch dem Sozialneid werden wir uns stellen müssen. Aber der wird schnell bedeutungsloser. Gleichheit wird hergestellt wenn jeder Bürger ohne Bedingung das gleiche Grundeinkommen bekommt. Wer dann noch arbeitet hat dann eben mehr. Es wird immer Menschen geben, die sich Auto, Handy, Eigenheit um Urlaub wünschen. Aber Arbeit muss attraktiv sein. Wenn ich gerne arbeite und gönne ich auch meinem Nachbarn sein Nichtstun, Hauptsache, er lässt mich arbeiten.
Das gesellschaftliche Leben wird sich bereichern durch eine kulturelle und politische Vielfalt, das Straßenbild sich verändern.
Hausfrauen und Rentner werden sich neu begreifen und nicht mehr übersehen werden können.
In kinderreichen Familien werden sich Eltern wieder ihren Kindern widmen können und nicht nur mit kochen, waschen und putzen beschäftigt sein. Jedes Kind wird ein eigenes Zimmer haben können.
Alternative Lebensformen haben eine Chance. Wer ein Stückchen Land beackern und in einer Tauschwirtschaft leben will, wird sich seine Welt erschaffen können. Das geht bisher nur über Selbstausbeutung, denn ohne Geld lässt es sich in Deutschland nicht leben.
Die Tür zum Paradies wird aufgestoßen – es ist mehr drin, als wir glauben.

Unser Potential schlummert vor sich hin, gefesselt von den Zwängen des Überlebens und einer Zukunftsangst, die wie Fuß- und Handfesseln unseren Radius auf ein Minimum beschränken und ein Klassenbewusstsein fördern, welches nur sozialen Unmut und Politikverdrossenheit hervorbringt. Jetzt ist die Zeit reif um aufzuwachen und aufzustehen!
Ein bedingungsloses Grundeinkommen als das Schwert, das den Gordischen Knoten einer vermurksten Gesellschaft und einer vermurkster Politik durchtrennen wird. Wir können auf einer neuen Basis neu anfangen mit den Erfahrungen von heute.
Brot und Spiele für jeden, nicht nur für Finanzspekulanten. Wir werden uns aussuchen können, auf welchem Spielfeld wir spielen wollen.
Wir sind nicht allein, wir sind viele. Wir sind das Volk und wir sind die Stimme. Sind wir uns einig, kann keiner an uns vorbeischauen. An allen Ecken brodelt es und das nicht nur unter der Oberfläche. Immer mehr Menschen stehen auf. Die Zeit ist reif. Wir brauchen nur den Mut zu sagen: Jetzt!

In der Schweiz ist eine Volksabstimmung zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen geplant. Die Realität ist näher als wir glauben. Erst einmal eingeführt, wird es über die Grenzen schwappen und sich vervielfältigen. Globalisierung im Guten.
GG Art. 20, Abs. (2)
Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.
Ein Land muss das Erste sein. Deutschland war schon so oft die Vorreiter, warum nicht auch hier. Was bei uns geht, geht woanders erst recht. Und was in unserem Kopf passiert, passiert auch bald in der Realität!
GG Art. 2, Abs. (2)
Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.
Kein anderes Gesetz oder juristisches Beiwerk darf dieses Grundgesetz aushebeln! Und da man in unserer Gesellschaft ohne Geld nicht leben kann, hat auch jeder das Recht auf Geld.

Meiner Meinung nach gehört das BGE ins GG.
Wika 2012

 

Da ich Pressemitteilung auch eher als vage empfinde habe ich einige offizielle Statistiken recherchiert:

760,6 Mrd. € Sozialleistungen 2011

https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Soziales/Soziales.html

+ 3,18 Mrd. € Bafög 2011

https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2012/07/PD12_251_214.htm

= 763,78 Mrd €

./. 81.843.743 Einwohner Dez. 2011

http://www.statistik-portal.de/statistik-portal/de_jb01_jahrtab1.asp

= 9.343,22 € pro Einwohner/Jahr

Dazu noch interessant:

Ausgaben öffentlich geförderte Beschäftigung Dez. 2011, s. Tb. 6a und 6b:

http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/094/1709466.pdf

Viele Grüße, Wika

34 Kommentare zu “Das bedingungslose Grundeinkommen

  1. Dr. Gernot Reipen

    Hallo Wika, vielen Dank für deinen Beitrag

  2. Michael Ebner

    > die heutigen Sozialausgaben (Transferleistungen) betragen
    > pro Kopf/Jahr heute schon 12.500,00 €

    Kannst Du diese Zahl belastbar belegen?

    (Und damit meine ich jetzt nicht ein „Schäuble hat mal gesagt…“!)

  3. Stimmt, ich habe mich auf das Buch von Götz Werner und Adrienne Goehler“1000 € für jeden“ bezogen (S. 50), was sich auf das Interview der Frankfurter Rundschau 2010 mit Wolfgang Schäuble bezieht. Nach meinen Recherchen (unter den Text gesetzt) entspricht die Zahl knapp 10.000 €/Kopf/Jahr. Fazit: Ich habe den Text geändert in Transfer/Sozialleistungen und habe eine vage Zahl von 10.000 € pro Kopf/Jahr angeben. Vielen Dank für Deinen Einwand.

    Viele Grüße, Wika

  4. Mutige Worte und eine Vision, die wir unbedingt benötigen.
    Bezahlen kann man das.
    1. Steuerfucht ins Ausland bekämpfen. ==> Personal einstellen .
    2. Vermögenssteuer wieder aufleben lassen.
    3. Finanztransaktionssteuer einführen.
    3. ALG II wird ja dann abgeschafft.
    4. ALG I braucht man dann ja auch nicht mehr
    .

    • Hallo Reinhard,

      vielen Dank, das Du meinen Artikel genau gelesen hast und meine Motivation verstanden hast. Es gibt viele gute Ansätze zu einer Finanzierung. Deine gehören sicherlich dazu.

      Viele Grüße
      Wika

  5. Habt ihr euch eigentlich schonmal die Einzelpositionen des Sozialbudgets genau angeschaut oder schaut ihr nur auf die Gesamtsumme?

    Ihr wollt die Sozialleistungen komplett streichen und jedem Bürger dafür 1000€ monatlich geben.
    Was ist denn bitte mit derzeitigen Rentner, die momentan über 1000€ Rente beziehen, dafür ihr Leben lang hart gearbeitet haben und sich auf Ihre Rente verlassen haben. Wollt ihr die einfach mal so schlechter stellen und sagen: ätsch, Du bekommst nun nur noch 1000€, dafür bekommt die aber jeder“
    Das werdet ihr wohl tun müssen, denn sonst stimmt die tolle Finanzierung mal wieder nicht.
    Und das werdet ihr verdammt oft sagen müssen, die Rentenversicherung macht immerhin 1/3 des Sozialbudgets aus und viele Rentner derzeit bekommen über 1000€ Rente. Damals war nämlich noch alles in Ordnung 😉

    Ich freu mich schon drauf, wie ihr die Finanzierungslücke schließen wollt…

    • Hallo Daniel,

      danke für Dein Mitdenken. Mein Vorschlag wäre, dass ab einer gewissen Einkommensgrenze die 1000 € wieder als Steuergelder zurückfließen, z.B. ab 5000 € monatlich. Genau so könnte man auch einen Schlüssel für Renten einführen. Bei obigen Zahlen sind die Renten nicht in den Sozialleistungen berücksichtigt. Unabhängig davon würden sich durch ein BGE heute schon die Staatseinnahmen über die MwSt erhöhen und das BGE sich so teilweise selbst finanzieren können. In den unteren Einkommensbereichen würden große Teile davon in den Lebensunterhalt/Konsum gehen. Obere Einkommensschichten konsumieren dagegen effektiv mehr oder legen ihre Gelder an, wobei Finanzgeschäfte und Immobiliengeschäfte bisher noch MwSt-befreit sind.

      Viele Grüße
      Wika

    • Hallo Daniel,

      ob ich es jetzt Sozial/Transfer/Förderleistungen nenne, der Betrag wird heute schon ausgegeben. Eine genauere Auflistung findest Du hier, allerdings noch nicht für das Jahr 2011:

      https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Soziales/Sozialbudget/Tabellen/SozialbudgetLeistung.html?nn=50848

      Du hast Recht, die Renten sind in meinen Zahlen enthalten. Ich habe allerdings kein Finanzierungsmodell vorgestellt. Da hast Du etwas falsch verstanden. Trotzdem einige Gedankenanstöße zu Deinen Fragen:

      Bei Einführung eines BGE fallen noch andere staatliche Aufwendungen weg wie Verwaltungskosten, Subventionen für das breite Feld der Stellen um die arbeitsmarktpolitischen Fördermaßnahmen, Subventionen für marode Firmen/Branchen, die keinerlei gesellschaftlichen Nährwert mehr haben.

      Ich gehe nicht davon aus, dass unser reformbedürftiges Steuersystem so erhalten bleibt. Es wird sich verändern und dafür gibt es verschiedene Ansätze mit verschiedenen Modellen. Recherchiere einfach etwas auf unserer Seite.

      Außerdem möchte ich auch kein Finanzierungsmodell vorstellen, da gibt es andere Artikel mit konkreten Vorschlägen: Sozialstaat 3.0 oder Konsumsteuermodell oder Koblenzer Modell. Mein Artikel befasst sich eher mit der Zukunftsvision BGE.

      Gerne erkläre ich Dir dazu Zusammenhänge und beantworte Deine Fragen zum gesellschaftlichen Nährwert und volkswirtschaftlichen Wertezuwachses durch ein bedingungsloses Grundeinkommen.

      Würdest Du eigentlich das BGE annehmen oder ablehnen, wenn wir es denn hätten? Wenn Du es lieber annehmen würdest, dann arbeite doch konstruktiv an einer Umsetzung mit und mache Vorschläge die helfen es in einer überschaubaren Zukunft zu realisieren.

      Viele Grüße
      Wika

  6. Es mag sich einwenig verrückt anhören, aber wenn man konsequent Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor abbauen würde, wären auch 2 – 3k möglich, solange sie als negative Konsumsteuer ausbezahlt wird (Pensionen und Renten gibt es dann natürlich nicht mehr, würde uns auch viele überflüssige Diskussionen ersparen).

    Dies würde eine ganz andere Dienstleistunsgesellschaft zulassen.

    • Hallo Surp,

      Das BGE soll die Lebensqualität erhöhen und nicht senken. Dein Vorschlag gefällt mir nicht.

      Viele Grüße
      Wika

      • Wieso senkt man durch Arbeitsplatzabbau vorallem im tertiären Bereich die Lebensqualität, jenes müssen sie mir erklären. Vorallem da sie dies ja in Teilen selbst fordern. Ich bin jetzt leicht verwirrt.

        Meine perönliche Meinung ist, dass alle relvanten Arbeiten, die wir benötigen von 5% unserer Bevölkerung erledigt werden könnten, man kann natürlich dann über Arbeitsteilung etc. diskutieren.

        Außerdem werden bei einem sehr hohen Grundeinkommen (wie gesagt ich halte 2k/Monat nicht für unrealistisch) neue „wirklich dem Menschen dienende“ Dienstleistungen entstehen können.

        Grüße
        Surp

        • Hallo Surp,

          der tertiäre Bereich ist der Dienstleistungssektor. Ich empfinde es schon als angenehmer, wenn ich weiß, ich bin nicht alleine, sondern es gibt Menschen, die sich von Berufs wegen um mich kümmern. Und als sozialer Mensch sehe ich meine Aufgabe auch darin, andere Menschen zu unterstützen.

          Der Mensch ist von Natur aus ein soziales Wesen ist, das die Gemeinschaft sucht. Was macht man zusammen? Immer nur Reden, worüber denn, wenn nicht Neues dazu kommt.
          Der Mensch braucht eine Aufgabe, er ist neugierig und will sich bewegen. Sonst säßen wir heute noch auf den Bäumen oder in der Höhle. Das ist auch Evolution.
          Aber jeder Mensch hat auch einen Rhythmus, sein eigenes Tempo.

          Dann ist Lohn auch Anerkennung und Arbeit strukturiert den Tag.

          Es wäre also sinnvoll, die Arbeit auf nachhaltige Arbeit zu reduzieren, gleichzeitig die Arbeitszeiten zu reduzieren, die Maschinenarbeit zu fördern und zu besteuern. Schon, da hast Du recht, auf die Produktion von unsinnigen Wegwerfprodukte und Konsumgüte n ohne Nährwert können wir gut verzichten. Das ist aber der sekundäre Bereich.

          Sinnvoll ist es Selbstbestimmung und Verantwortungsbewusstsein zu fördern, Gruppendynamik und Teamarbeit erzeugen Synergien. Kreatives Potential entwickelt sich zum Wohle aller.

          Mit der neu entstandenen Freizei t entsteht ein Freiraum für eine zweites Leben, Familie, Kunst, Bildung, Sport, Ehrenamt, Politik. Arbeit für jeden der möchte und in dem Maße, wie es ihm gefällt.

          Ich freue mich schon darauf. Wenn es klappt, setzt ich mich in Berlin dafür ein.

          Viele Grüße
          Wika

  7. Michael Ebner

    > Bei obigen Zahlen sind die Renten nicht in den Sozialrleistungen berücksichtigt.

    Das schau‘ Dir bitte noch mal genauer an… (https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Soziales/Sozialbudget/Tabellen/SozialbudgetLeistung2009_2010.html)

    Von den roundabout 760 Mrd Euro sind:

    – 253,742 Rentenversicherung – wenn Du da dran willst, haut Dir Karlsruhe auf die Finger.
    – 173,965 Krankenversicherung – die Leute sollen also von den 1000 Euro sich privat versichern, oder? Und trotzdem in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen, das Geld, das Du verteilen möchtest, muss ja irgendwo herkommen.
    – 21,383 Pflegeversicherung das gleiche Spiel wie Krankenversicherung. Alternativ: So um den 10. jeden Monats rollen die Pflegeheime ihre Schwerstpflegefälle auf die Straße, dann sind die 1000,- Euro BGE nämlich aufgebraucht…
    – 24,911 Sozialhilfe, ähnliches Spiel wie Pflegeversicherung, da hier viele Leistungen für Behinderte und Pflegefälle enthalten sind, die deutliche mehr als 1000,- Euro im Monat kosten.
    – 63,523 Arbeitgebersysteme, also freiwillige oder tarifliche Leistungen der Arbeitgeber, z.B. Betriebsrenten. Auf die hat der Staat auch keinen Zugriff.
    – 11,898 Unfallversicherung, also Reha-Maßnahmen nach Arbeitsunfällen – sollen die etwa künftig unterbleiben?

    Die derzeitige Version von „Sozialstaat 3,0“ geht von Einsparungmöglichkeiten im Sozialetat von etwa 110 Mrd Euro aus – da mögen ein paar Mrd mehr gehen, aber das ist in etwa die Größenordnung, die man umverteilen kann. Der Rest wird über Steuermehreinnahmen laufen müssen. (Alternativ der Weg über die Inflation – wenn die Flasche Bier wieder ein paar Millionen kostet, sind die Finanzierung von 1000,- Euro Grundeinkommen dann auch nicht mehr so die Herausforderung…)

    • Hallo Michael,
      es gibt verschiedene Modelle, Sozialstaat 3.0. ist nur eins. Es gibt das Koblenzer Modell. Verena Nedden hat das Konsumsteuermodell entwickelt, auch sehr spannend. Für Zahlen ist sie die bessere Ansprechpartnerin. Ich habe kein Finanzierungsmodell entwickelt, nur Sozial/Transfer/Förderleistungen recherchiert. Renten sind in meinen Zahlen enthalten. Auch Leistungen im Krankheitsfall.
      Ich kommuniziere eine veränderte Welt durch das BGE. Und darüber möchte ich auch sprechen. Hast Du Dir eigentlich einmal Gedanken über die Zahlen gemacht, die im Gesundheitssystem eingespart werden? Dadurch, dass Menschen die Möglichkeit gegeben wird, nach ihrem eigenem Biorythmus zu leben, sich eine Auszeit nehmen zu können bevor sie im Burn-out landen
      Dazu kommt der volkswirtschaftliche Zugewinn durch motivierte Arbeitskräfte. Wie viele Menschen schieben nur noch Dienst nach Vorschrift, wie viel Wertezuwachs wird durch Mobbing, Konkurrenzdruck und auf Verfall hin produzierte Produkte verschwendet. Wirtschaftswachstum durch Rüstungsindustrie impliziert den Tod von Menschen. Wie viel unsinniges Wirtschaftswachstum wird durch schnelllebige Moden manipulativ verkauft?
      Diese Zahlen können wir noch nicht kommunizieren, aber sie sind relevant.
      Wir haben nur eine Lebenszeit. Und diese sollten wir selbstbestimmt nutzen können.
      Unser heutiges Wertesystem widerspricht dem Recht auf Leben. Und dieses Recht ist keine Auslegungssache!
      Worum geht es Dir? Um Zahlen? Dieses Feld überlasse ich getrost anderen. Das von mir erwähnte Zahlenmaterial habe ich recherchiert. Ich stelle kein Finanzierungsmodell vor. Ich möchte mich nicht weiter auf diese Zahlen-Diskussion einlassen.
      Über die wesentlichen Inhalte meines Artikels stehe ich gerne weiter Rede und Antwort.
      Viele Grüße
      Wika

      • Michael Ebner

        > Ich stelle kein Finanzierungsmodell vor. Ich möchte mich nicht
        > weiter auf diese Zahlen-Diskussion einlassen.

        Und ohne ein solches Finanzierungsmodell setzt Du eine Zahl von 1000,- Euro in den Raum. Hälst Du das für seriös?

        > Hast Du Dir eigentlich einmal Gedanken über die Zahlen gemacht,
        > die im Gesundheitssystem eingespart werden?

        Etwa 90% der Kosten im Gesundheitssystem fallen im letzten Lebensjahrzehnt an. Wenn die ganzen Streß-Krankheiten wegfallen, dann kosten die Menschen nicht weniger, sie leben („nur“) länger. (Natürlich ist das postiv. Aber bezüglich einer BGE-Finanzierungsrechnung bringt das nichts.)

        > Wie viel unsinniges Wirtschaftswachstum wird durch schnelllebige
        > Moden manipulativ verkauft?

        Ich bin gerne mit dabei, das zu ändern. Aber bezüglich einer BGE-Finanzierung ist das dann aber ein Teil des Problems und kein Teil der Lösung.

        • »Und ohne ein solches Finanzierungsmodell setzt Du eine Zahl von 1000,- Euro in den Raum. Hältst Du das für seriös?«

          Warum ist es eigentlich so unrealistisch anzunehmen, dass unsere Gesellschaft mit Hilfe ihrer stetig wachsenden Produktivität in der Lage ist, jedem Mitglied der Gemeinschaft Güter und Dienstleistungen in Höhe von 1000 Euro (bezogen auf die heutige Kaufkraft) monatlich zu Verfügung zu stellen?

          Sollten wir nicht ehrlicherweise zuerst eine Debatte über die Güter und Dienstleistungen führen, die – basierend auf Ansprüchen aus Gehältern, Renten/Pensionen und Kapitaleinkünften – in einer Höhe von (weit) mehr als 1000 Euro in Anspruch genommen werden?

          Vielleicht müssen wir erst mal Begriffe wie Luxus, Lebensstandartsicherung, Wohlstand etc. definieren, bevor wir uns über die Höhe eines bedingungslosen Grundeinkommens einigen können …

          • Hallo Henrik,

            genau das ist es. Welchen Preis bin ich bereit wofür zu bezahlen?

            Was brauch ich, was will ich? Wie viel Zeit, wie viel Geld? Wie zwei Waagschalen, die sich auspendeln müssen. Das braucht eine Übergangsphase.

            Oft schließt das Eine das Andere aus. Jeder möchte die unverbrauchte Natur, jeder möchte das malerische Venedig. Schau es Dir an, den Massentourismus, welche zerstörerische Kraft er hat.

            Was ist mein Lebensmodell? Diese Frage sollte sich jeder beantworten können.

            Viele Grüße
            Wika

        • Hallo Michael,

          ja, die Zahl von 1000,00 € halte ich durchaus für seriös. Die Zahl der Menschen die Unterstützung benötigen ist in den letzten Jahren gestiegen, die absoluten Ausgaben dafür aber gesunken (s. Links weiter oben und https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Soziales/Sozialbudget/Tabellen/SozialbudgetLeistung.html?nn=50848). Gleichzeitig hat sich die Zahl der Vermögensmillionäre in der Krise um 1/3 erhöht. Die Krise ist eine Bankenkrise, es gab keine Umsatzsteuer für Finanzgeschäfte und Renditen von 25 % waren üblich. Das ging natürlich nur auf Kosten der Moral. Deshalb bin ich auch weiterhin für den Religionsunterricht (wie viele Religionen?) an den Schulen. Wir brauchen wieder Werte. Wo sollen die denn herkommen? Bestimmt nicht aus dem BWL-Unterricht. Werte müssen kommuniziert werden und verbindlich für eine Gesellschaft gelten. Wir sind nun mal das christliche Abendland. Warum sollten wir unsere Kultur und Tradition verleugnen?

          Und zu unserem Gesundheitssystem: Ärzte müssen alles mit Maschinen belegen. Deshalb rüsten sie auf. Das kostet. Kein Arzt traut sich mehr eine zuverlässige Augendiagnostik? Ärzten wird die Zeit verboten (= nicht bezahlt), sich ausführlich mit seinen Patienten zu unterhalten. Viele Probleme lassen sich im Vorfeld klären, leichte Umstellungen von Lebensweisen verhindern oft Krankheiten. Alleine das Interesse eines kompetenten Zuhörers entkrampft. Als Vorsorge!!!

          Welcher Arzt kann es sich noch leisten (sie haben auch Familie, Haus, Auto), seine Patienten umfassend zu beraten um dann Hausmittel zu empfehlen. Hausmittel wirken im Anflug einer Krankheit. Wer darf denn seinen Chef anzurufen und erklären, nicht zur Arbeit zu erscheinen weil eine Erkältung im Anflug sei, lieber ein Kamille-Dampfbad zu machen und sich aufs Sofa zu legen, um sich gesund zu schlafen. Am nächsten Tag wäre man dann wieder fit. So schleppt man sich weiter zur Arbeit, bis man mit Schüttelfrost eine Stunde im Wartezimmer sitzen muss um das vorgeschriebenen Papier zu bekommen. Hinterher ist man dann eine Woche krank. Wie uneffektiv.

          Dann lassen wir uns eintrichtern, wir wären nicht kompetent, was unseren Körper betrifft. Fühlen wir in uns hinein, merken wir, wie uns alles wehtut. Lieber nicht fühlen, lieber weiter funktionieren solange noch irgend etwas geht. Der Arzt sollte unserem Körpergefühl sein Fachwissen zur Verfügung stellen.

          Hausmittel, gesunde Ernährung, Bewegung (kostenloste Nahverkehrsmittel halten die Menschen auf Trab), selbstbestimmtes Leben nach dem eigenen Tempo sind die beste Vorsorge.

          Ein Muskel, der nicht gebraucht wird, wird schlapp. Gesund und selbstbestimmt leben, nicht jeden Meter mit dem Auto, Stress vermeiden und im Alter sind wir immer noch lange fit. Dafür müssen gesunde Lebensmittel für alle barrierefrei erhältlich sein. Es gibt viele unsinnige Fertigprodukte mit Zusatzstoffen und Dickmachern, mit geringem Nährwert und Rückständen von Pestiziden und Antibiotika, die noch nicht einmal Zeitersparnis bringen. Dafür einen Müllberg. Wenn wir schon für die Ganztagsschule sind, sollte jede Schule gesundes Kochen als AG anbieten.

          Das BGE ermöglicht ein nachhaltiges Leben, nimmt den Druck aus der Gesellschaft. Jede Maschine, die ständig an der Leistungsgrenze laufen muss, verschleißt schnell. Wieso sollte der Mensch ständig hochtourig laufen können?

          Das Wegwerfprodukte (Verschleißteile, kurzlebige Moden) Ressourcen vergeuden, einschließlich der menschlichen Lebenszeit, ist ein breiter Diskurs. Warum statt des Einkommens nicht die Maschinenarbeit besteuern, oder die Unternehmensgewinne, die Vermögen und die Geldgeschäfte?

          Unsere Wirtschaftspiraten sind kompetente Fachleute, die besser und detailierter umfassendere Steuermodelle ausarbeiten können, sie müssen es nur wollen. Das BGE kann nachhaltig ein umfassenderes Potential freisetzen als nach den heutigen Berechnungen. Ich bin ein Freund von Vernetzungen und ressortübergreifendem Denken. Mich interessiert das große Bild.

          Ein umfassender Plan, der Schrittweise umgesetzt werden kann und parallel dazu die Menschen auf eine selbstbestimmtes, erfülltes Leben vorbereiten, dass ist die Herausforderung, die wir wollen sollten. Die jetzigen Modelle sind der erste Schritt um eine Glaubwürdigkeit für eine Umsetzung zu bekommen. Sie haben ihren Wert, auch wenn sie mir nicht weitgenug gehen.

          Viele Grüße
          Wika

  8. Erstens: Fetter Kommafehler

    „= 93432,17 € pro Einwohner/Jahr“ weiter gesponnen = 8.000 € pro EInwohner & Monat.

    Das muss einem schon beim Lesen in den Augen wehtun.

    Zweitens: Schon wieder wird (wie bei Werner üblich) das Sozialbudget neoliberal umverteilt. Schon mal aufgefallen, dass bei dieser Umverteilung KEINE RENTE und KEINE KRANKENVERSICHERUNG mehr existiert?

    Ach ja – sind ja alle happy drüber, denn wir haben ja Grundeinkommen.

    • Hallo swagi,

      warum so pessimistisch? Lies bitte meine anderen Kommentare. Da steht meine Antwort drin.

      Viele Grüße
      Wika

  9. Hallo wika,

    erstmal möchte ich dir meinen Respekt für dein mutiges Plädoyer aussprechen.
    Trotzdem: Die 10.000 €-Frage ist mit Sicherheit nicht in hundert Zeilen zu klären. Das Programm von Werner hat – gelinde gesagt – so seine Tücken, Härtefällen gehen hier nämlich sehr schnell die Felle schwimmen. Michael Ebner hat einige davon angesprochen, man denke bitte auch einmal an den Ursprung der Gelder. Wenn man sie umverteilen möchte, müssen sie vorher erwirtschaftet worden sein. Mir ist deswegen nicht klar, wie du die Umschichtung hin zu einem neuen System bewerkstelligen möchtest. Schließlich erwerben Beitragszahler im Rentensystem Ansprüche an eine Rente – nicht an ein BGE.
    Und wie sollen Zahlungen in eine Arbeitslosenversicherung mit dem BGE begründet werden?
    Du müsstest eine BGE-Abgabenquote einführen – und die wäre sehr schnell sehr hoch, wahrscheinlich zu hoch, womit sich die ganzen fiesen Schwierigkeiten wie Schwarzarbeit, Steuerflucht und Abwanderung einstellen.

    Auch wenn Revolutionen ihren Charme haben – ich würde es lieber nach Popper in kleinen Schritten Versuchen.

    Mein Vorschlag:
    http://herrbecker.wordpress.com/herr-becker-und-das-bge-komplettfassung/

  10. “Wir sind das Volk”:

    “Herrschsucht und Unduldsamkeit sind für die Massen sehr klare Gefühle, die sie ebenso leicht ertragen, wie sie sie in die Tat umsetzen. Die Massen erkennen die Macht an und werden durch Güte, die sie leicht für eine Art Schwäche halten, nur mäßig beeinflußt. Niemals galten ihre Sympathien den gütigen Herren, sondern den Tyrannen, von denen sie kraftvoll beherrscht wurden. Ihnen haben sie stets die größten Denkmäler errichtet. Wenn sie den gestürzten Despoten gern mit Füßen treten, so geschieht das, weil er seine Macht eingebüßt hat und in die Reihe der Schwachen eingereiht wird, die man verachtet und nicht fürchtet. Das Urbild des Massenhelden wird stets Cäsarencharakter zeigen. Sein Helmbusch verführt sie, seine Macht flößt ihnen Achtung ein, und sein Schwert fürchten sie. Stets bereit zur Auflehnung gegen die schwache Obrigkeit, beugt sich die Masse knechtisch vor einer starken Herrschaft. Ist die Haltung der Obrigkeit schwankend, so wendet sich die Masse, die stets ihren äußersten Gefühlen folgt, abwechselnd von der Anarchie zur Sklaverei, von der Sklaverei zur Anarchie.”

    Gustave Le Bon (Psychologie der Massen)

    Erst denken, dann handeln:

    http://www.swupload.com//data/Das-Juengste-Gericht.pdf

    • Hallo Herr Wehmeier,

      klar, die meisten Menschen interessieren sich nur dafür, dass es ihnen und ihrer Familie gut geht. In unserem Grundgesetz Art. 14 (2) aber ist verankert: Eigentum verpflichtet.

      Brot und Spiele für die Massen, warum nicht.

      Es wird immer Menschen geben, die Verantwortung für andere übernehmen wollen. Verantwortung und Risikobereitschaft sollen auch weiterhin honoriert werden. Unsere Krise resultiert daraus, dass das Gewinnstreben ins Maßlose gewachsen ist, Verantwortung untergeordnet wurde und das Risiko auf Belegschaft und Verbraucher abgewälzt wurde. Dazu gehört auch, dass ethische Werte wieder auf höchster Ebene diskutiert werden.

      Brot und Spiele für die Obersten, nicht, wenn sie dafür unsere Volkswirtschaft verzocken.

      Nicht nur in der Wirtschaft, auch in der Politik ist der Verfall von Rechtschaffenheit zu beobachten: Wenn Abgeordnete, vom Bürger gewählt und bezahlt nicht zur Arbeit erscheinen, sondern statt dessen zur Schwarzarbeit in Aufsichtsratssitzungen gehen. Verknüpfung von Wirtschaft und Politik ist nachteilig, nicht nur wenn es um Fehlplanung und Korruption geht.

      Viele Grüße
      Wika

  11. hallo herr becker,

    Ich habe kein Finanzierungsmodell entwickelt. Und die Zahlen, die im Gesundheitssystem eingespart werden, in der Verwaltung und durch motivierte Arbeitnehmer sind sehr relevant, aber nicht zu kommunizieren.

    Dein Modell ist interessant. Wenn Du über Finanzierungsmodelle diskutieren möchtest, findest Du in der Navigationsleiste unter Modelle adequatere Ansprechpartner dafür.

    Ich habe einen anderen Ansatz: Mir gehen die Finanzierungsmodelle nicht weit genug. Diese Entwicklung muss mit einem Wertewandel einhergehen. Statt Wegwerf/Konsumgesellschaft, Konkurrenzkampf mit Verdrängungswettbewerb, schnelllebige Moden und eingebaute Verfallsdaten muss sich das System umbauen – in ein nachhaltiges am Gemeinwohl orientiertes. Jeder einzelne muss bei sich anfangen und umdenken. Was brauche ich wirklich? Was bedeutet mir wirklich etwas? Was möchte ich eigentlich wirklich? Was macht mich glücklich? Wer ist heute noch in der Lage, echte Antworten von sich selbst zu bekommen? Das ist ein langer Prozess.

    Für ein fremdbestimmtes Leben unter Leistungsdruck und Zukunftsangst hier müssen woanders Menschen unter Ausbeutung und Chancenlosigkeit existieren. Unsere Ersatzbefriedigungen werden durch die Medien suggeriert, wir lassen uns manipulieren und in eine Oberflächlichkeit hineindrängen die oft genug in Burn-Out und Sinnfragen eskaliert.

    Für Gewinnoptimierung statt Gewinnmaximierung, zum Wohle aller – Mensch wie Natur. Statt Wirtschaftswachstum hier auf Kosten unserer Ressourcen – einschließlich der Ressource Lebenszeit – existenzsichernde Lebensstandards in Weltregionen, wo Schmalhans den Alltag diktiert. In einer globalen Welt haben wir Verantwortung zu tragen. Deutschland als Unternehmen in der Volkswirtschaft Welt. Die Bilanz muss ausgeglichen sein.

    Wenn André Popp vom der Ausgeglichenheit des Magischen 4-Eckes spricht, entspricht er nur meinen Worten: Die Bilanz muss stimmen. Das Magische 4-Eck ist immer in Bewegung, wie ein Wackelpudding. Das macht ja Ökonomie so spannend. Es ist eine Herausforderung.

    Was bringt der Anspruch von Vollbeschäftigung um den Preis der Erpressbarkeit? Vollzeitarbeit und ergänzendes Harz-IV, was für ein Hohn. Gleichzeitig stieg in Deutschland in der Krise die Zahl der Vermögensmillionäre um 1/3 an. Welche Ignoranz.

    Was bringt uns der Exportweltmeister, wenn unsere Abnehmerstaaten sich Made in Germany nicht mehr leisten können? Welche Dummheit. Was wäre, wenn das Ausland ein Embargo verhängt.

    Ich möchte nicht die Revolution. Auf der Strecke bleiben nur die, die keine Reserven schaffen konnten. Welche Wurzel möchtest Du essen, welche Tiere jagen? Wo willst Du kaufen, wenn keiner mehr anbaut? Im Ausland? Genau das meine ich. Welche Arroganz.

    Würden alle die, die im Falle einer Revolution mit totalem Embargo ins Ausland abwandern würden, heute in Deutschland investieren, hätten wir das BGE finanziert. Wenn also ein Finanzierungsmodell, dann ist dies hier meins. Wir brauchen keine Revolution, wir brauchen eine Bewusstseinserweiterung Richtung soziale Marktwirtschaft.

    Viele Grüße
    Wika

  12. Liebe Wika,

    ich verstehe dein Anliegen und teile es. Dies funktioniert aber nur, wenn wir Überzeugungstäter eine kritische Masse mobilisieren können, die mehr als fünfzig Prozent der Bevölkerung repräsentieren kann. Ich möchte nicht die Fehler des 20. Jahrhunderts wiederholen, weswegen meiner Meinung nach Entscheidungen reversibel sein müssen. Deswegen eine Reform der kleine Schritte. auch wenn das echt nicht sexy ist.
    Ich meinte Karl R. Popper.

    Liebe Grüße

    Herr Becker

  13. Hallo Herr Becker,

    zu Deinem BGE-Modell: Mir gefällt Friedmanns Ansatz. Diskussionen eines neu regulierten (europäischen) Steuersystems nehmen auch Maschinensteuer, Finanzumsatzsteuer, Vermögenssteuer, Gewinnsteuer oder Konsumsteuer unter die Lupe. Ich möchte da noch mehr offen lassen. Die Richtung festlegen und in den einzelnen Schritten flexibel bleiben.

    zu Europa: Deutschland ist übrigens das einzige Land, dass ein vereintes Europa nach föderativen Grundsätzen im GG Art. 23 (1) verankert hat. Und zwar nach dem Subsidiaritätsprinzip von unten nach oben = basisdemokratisch. Nach GG Art.29 können sogar die Regionen selbst über ihre Gliederung bestimmen.

    zu Karl R. Popper: Eine offene pluralistische Gesellschaft, in der sich Fortschritt langsam entwickelt, entspricht den Vorstellungen der Piraten von Globalität und Bürgerbeteiligung. Anders kann Basisdemokratie nicht funktionieren. Inhalte, besonders neue Wege, müssen immer wieder kommuniziert werden und wie Wellen den Kreis derer vergrößern, die diese Einstellungen teilen und sich dafür einsetzen. Das verstehe ich unter Bewusstseinserweiterung und nur so erreichen wir eine immer größere Wählerschaft. Schließlich sind wir eine Partei und vertreten Wähler.

    zur Politik: Meiner Meinung nach krankt unser System daran, dass sich unsere Politiker als Machthaber verstehen. Was sind sie denn? Nach GG Art. 20 (2) haben wir Volksvertreter, also Verwalter. Wir kennen keine Herrscher und das bedeutet Basisdemokratie. Macht bedeutet machen, wenn etwas gemacht wird, können sich Fehler einschleichen. Alleine schon, wenn sich Bedingungen ändern. Natürlich müssen getroffene Entscheidungen offen und korrigierbar bleiben. Das ist eine Voraussetzung für Transparenz. Wo Angst vor Fehlern herrscht, werden Entscheidungen in Hinterzimmern getroffen und unter den Teppich gekehrt. Wie groß das Bedürfnis der Bevölkerung nach Transparenz ist, sehen wir daran, dass es sich auf Einmal alle Parteien auf ihr Fähnchen geschrieben haben. Und warum wird wohl ständig versucht, Datenschutz und Bürgerrechte einzuschränken? Unsere Machthaber sehen ihre Felle davon schwimmen.

    zu Deinen Massen: Die Kraft die von der Straße ausgeht, ist nicht zu unterschätzen. Nicht umsonst hat das Wort Mob eine Doppelbedeutung. Ein Mob ist ein wunderbares Werkzeug. Du kommst damit in jede Ecke, erreichst jede Staubfluse und wenn er antizyklisch vor Deinem Fenster schwingt, besitzt er auch noch Eleganz und Schönheit. Deine Massen sind Menschen die politikmüde sind, weil sie nur sehen wie sie gemolken werden und ihnen das Fell über die Ohren gezogen wird. Mobilisieren der Massen = des Mobs als Gruppendynamik bedeutet, dass wir unsere Inhalte kommunizieren und nicht unsere Differenzen. Wir können unsere Wähler nur effektiv vertreten, wenn sie uns mit Macht ausstatten. Sind wir gut, werden wir gewählt.

    Fazit: Ich finde den Weg der kleinen Schritte durchaus sexy.

    Viele Grüße
    Wika

  14. http://www.heise.de/tp/artikel/37/37953/1.html

    Ich sag mal vorsichtig , alles ist bezahlbar, wenn die Bevölkerung es will.

  15. Gratuliere Dir, liebe Wika, zu Deinen begeisterungsfähigen Ausführungen zum Grundeinkommen und zum Gemeinwohl. Es wird kommen und ich hoffe, die Piraten sind bei der Entscheidung dabei und bestimmen die Richtung.

    Es scheint viele Zweifel und Fragen zum Thema Finanzierung zu geben. Weil es mir ebenfalls sehr geholfen hat, Sinn und Möglichkeiten des BGE zu verstehen, empfehle ich allen, sich die Studie des Hamburgischen Wirtschafts Instituts (HWWI) zum Grundeinkommen mal anzusehen. Es stammt zwar aus dem Jahre 2007 und benutzt auch die Zahlen des Jahresgutachtens 2006/07 des Sachverständigenrates, aber man weiß am Schluss, wo die Zahlen herkommen und wie sie zusammengehören. Zusätzlich informiert der Autor, Thomas Straubhaar, Wirtschaftswissenschaftler und Direktor des Instituts, über die wichtigsten diskutierten Projekte, so dass man hier einen ganz guten Überblick bekommen kann.

    Es ist beruhigend festzustellen, dass sich mittlerweile alle Parteien mit dem Thema „Grundeinkommen“ befassen. Das bedeutet, dass die Politiker gemerkt haben, dass uns das interessiert und sie sich beeilen müssen, um den Anschluss nicht zu verpassen. Finanzierung ist eine Sache, aber eine andere, viel problematischere, ist das „Bedingungslose“ am Grundeinkommen, weil es uns wie ein Systembruch vorkommt. Es ist Leistung ohne Gegenleistung, ohne Arbeit und ohne sonstige Gegenforderung oder Bedingungen. Das macht zunächst einmal Angst.

    Unser Sozialsystem wurde konzipiert vor rund sechs Jahrzehnten, zu einer Zeit, in welcher noch vieles anders war.
    Es gab noch ausreichend Nachwuchs, der gemäß Generationenvertrag in seiner Arbeitsphase die Rentnergeneration finanzieren konnte. Eine sehr gute Idee – solange es eine ausreichende Menge an Kinder gibt. Die Tendenz heute ist kontinuierlich abwärts gerichtet Richtung Kinderlosigkeit. Verständlich angesichts der Benachteiligung der Familien und speziell der Frauen, die heute mit Lebensabschnittspartnerschaften rechnen müssen. Für sie wird der Beruf wichtiger, deshalb muss der Kinderwunsch zurückstehen. Verständlich auch, wenn man die ungleiche Lastenverteilung zwischen Familien mit drei Kindern und einem Single betrachtet. Bei dem Familienvater muss das Gehalt für 5 Personen reichen, während ein Single nur für sich selbst zu sorgen hat.

    Vor 50 Jahren waren wir in einer Phase boomender Vollbeschäftigung. Der Staat verfügte über immer mehr Geld und wurde zum großen Gönner der Lobbyisten und der Sozialverwaltungen. Die öffentliche Verwaltung wurde immer größer und deckte sich mit immer mehr Arbeit ein, indem sie Teile dessen übernahm, was eigentlich durch uns für uns selber entschieden werden sollte. Als Ende der 60er Jahre die Konjunktur abkühlte, versuchte man es mit kostspieligen Konjunkturprogrammen, deren Erfolg sehr zweifelhaft war, die man aber immer als plausible Ausrede für neue Kredite benutzen konnte. Die Regierungen wurden leichtsinnig und steigerten massiv ihre Ausgaben. Die Gewerkschaften gaben ihre Zurückhaltung auf. 1973 kam die Ölkrise, die Wirtschaft brach ein, es folgten Konjunkturprogramme und höhere Schulden. Doch der schnelle Aufschwung blieb aus. Die Rahmenbedingungen hatten sich verschlechtert. Wegen zu hoher Lohnforderungen wurden Investitionen verschoben, Beschäftigte entlassen. Am Ende der sozialliberalen Koalition 1982 war die Staatsquote von 39 auf 48% gestiegen und die Arbeitslosigkeit von 0,8% auf unvorstellbare 7,6% angestiegen. Die öffentlichen Ausgaben hatten sich verdreifacht. Das ist jetzt 30 Jahre her. Und die Schulden sind weiter enorm angestiegen. Es hat sich nichts geändert und es wird sich weiter nichts ändern. Selbst die vielgepriesene Schuldenbremse ist mehr Optik als Effizienz. Sie betrifft nämlich nur die offiziellen Schulden des Haushaltbudgets und nicht die doppelt so hohen inoffiziellen Schulden. Und zum anderen sieht selbst bei den offiziellen Schulden ein Passus vor, dass die Schuldenbremse dann nicht gilt, wenn Kredite aufgenommen werden für konjunkturelle Zwecke. Und diese Ausrede passt immer.

    Die tatsächliche Arbeitslosigkeit ist seit jener Zeit nicht mehr auf ein erträgliches Maß zurückgegangen. Es kann also nicht davon ausgegangen werden, dass eine lebenslange Erwerbstätigkeit als Regelfall angesehen werden kann, so wie es unsere Sozialsysteme noch vorsehen. Die Staatsausgaben steigen und trotzdem sinken die Sozialleistungen. Das ist die heutige Situation. Die Prognose sieht verzweifelnd düster aus.

    Die Öffentliche Verwaltung sucht und benutzt jede Gelegenheit, neue Sachgebiete zu erfinden oder zu übernehmen, auf denen sie uns noch mehr dirigieren kann. Die Angst der Bevölkerung vor der ungewissen Zukunft und Zweifel an der eigenen Fähigkeit, sein Leben selbstbestimmt meistern zu können, wächst ständig. Man tut alles, um uns selbstverantwortliches Handeln abzunehmen. Das ist gefährlich, denn mittlerweile fängt die Mehrheit der Bevölkerung an, resignierend auf die eigene Initiative zu verzichten und sich lieber scheinbar geborgen in den Schoß des Staates zurückzuziehen. Der Staat und seine Verwaltung heißen uns willkommen. Sie geben vor, uns vor Risiken bewahren zu können. Das ist im weitesten Sinne verantwortungslos, denn in all den Ländern, in denen Politiker und Verwaltungen beschlossen haben, die Gesellschaft in die Zentralverwaltungswirtschaft zu führen, hat das ausnahmslos zu katastrophalen Zuständen geführt. Wenn wir das akzeptieren würden, hätten wir aus der Vergangenheit nichts gelernt.
    Wir müssen deshalb alles tun um zu verhindern, dass die öffentliche Hand uns übernimmt und uns in den Verwaltungs-Sozialismus der Gleichheit durch Abhängigkeit führt.

    Dieses pessimistische Szenario muss den Risiken eines BGE bei der Entscheidungsfindung gegenübergestellt werden.

    Man kann unterstellen anhand aller bisherigen Untersuchungen, dass das BGE finanzierbar ist.
    Problematisch wird es allerdings dadurch, dass der Staat bisher einen Teil seiner Gesamtausgaben durch Schulden finanziert. Wenn man das unterbinden will für die Zukunft, muss man an den Ausgaben sparen und Finanzierungsmöglichkeiten über Steuern suchen. Ein vereinfachtes Steuersystem ist also erforderlich, das mit wenigen Steuersätzen auskommt und keine Steuerschlupflöcher mehr gestattet. Auf diese Weise kann es gelingen, gerade die großen Einkommen steuerlich zu erfassen, die sich bis jetzt legal der Steuer entziehen konnten.
    Bei den Staatsausgaben in den Finanz- und Sozialverwaltungsbereichen entfallen durch die geplanten Veränderungen ungeheure Mengen an Arbeit und Personal. Man sollte allerdings sehr skeptisch an die Möglichkeiten der Personalreduktion herangehen, da es bisher noch keinem Politiker gelungen ist, dort wichtige Erfolge zu erzielen. Im Zweifel könnte man jedoch mittelfristig über Einstellungsstopps eine natürliche Reduktion erreichen.
    An den erworbenen Pensionen des öffentlichen Dienstes kommt man sowieso nicht vorbei. Das Geld dafür hat der Staat „verbraten“, es handelt sich immerhin bis zum Jahre 2050 um ca. 1,5 Billionen € an Pensionsverpflichtungen, die aufgebracht werden müssen. Das Grundeinkommen, das im Alter die Grundrente darstellt, reduziert in seiner Gesamthöhe die Pensions- und Rentenansprüche der Öffentlichen Verwaltung.

    Das Hamburgische Wissenschaftsinstitut (HWWI) hat hierzu in einer vergleichenden Studie festgestellt, dass man ein derartiges System und die richtige Höhe des Grundeinkommens schrittweise angehen sollte, weil die Reaktionen der Bevölkerung zwar vermutbar, aber nicht eindeutig kalkulierbar sind. Ist das Grundeinkommen zu niedrig, erfüllt es seinen Zweck nicht, weil an vielen Stellen nachgebessert werden müsste. Ist es zu hoch, ist es teuer und verleitet dazu, das Interesse an Arbeit zu verlieren. Durch das garantierte Grundeinkommen können und sollen alle sozialpolitisch motivierten Eingriffe in den Arbeitsmarkt entfallen. Kündigungsschutz und Flächentarife werden ersetzt durch individuelle, betriebsnahe Vereinbarungen. Auch die gesetzlichen Mindestlohnvereinbarungen würden sich erübrigen. Ihre Wirkung neutralisiert sich, wenn sie zu niedrig sind. Sind sie zu hoch, gehen Arbeitsplätze zusätzlich verloren und die Angebote für die weniger gut qualifizierten Arbeitnehmer nehmen weiter ab. Durch das BGE entfällt ebenfalls ein großer Teil der Lohnnebenkosten. Das gibt den Unternehmen mehr Elastizität und Spielraum, wenn es darum geht zu überleben oder die richtigen Leute für bestimmte Arbeiten zu bekommen.

    Auch wenn nicht zuverlässig abgesehen werden kann, wie sich der Arbeitsmarkt nach Einführung des Grundeinkommens entwickeln wird, kann man aber davon ausgehen, dass bei geringerem Grundeinkommen mehr Personen bereit sein werden, Ihre Arbeitskraft anzubieten. In Konsequenz wird bei höherem Grundeinkommen die Bereitschaft zur Arbeitsaufnahme sinken.

    Jeder wird für sich entscheidet können, ob und wieviel er arbeiten will, um mehr Geld für weniger Freizeit einzutauschen oder ob er sich finanziell eher einschränkt, um mehr Zeit für seine Interessen zu haben. Die Entscheidung darüber ist selbstverantwortliches Sozialverhalten, dass wir uns auf diese Weise wieder ein Stückchen zurückerobern. Wenn das gelingen würde, wäre das BGE kein Systembruch, sondern eine Anpassung des Systems an unsere heutige Gesellschaftsform bei gleichzeitiger Ausrottung der vielen großen und kleinen Systembrüche und System-Eingriffe, die die Politiker im Namen der Verbesserung unserer Situation jahrzehntelang angeordnet haben.
    Gruß
    dowdax

    P.S. Die positiven Auswirkungen des BGE werde ich wahrscheinlich in Kürze noch einmal genauer studieren.

    • Hallo Dowdax,

      nach dem Krieg war alles zerstört. Das Geld für den Wiederaufbau kam aus den USA (Marshall-Plan). Das war eine unwirkliche Phase, keine normale Realität. Es konnte ein sehr schnelles Wachstum realisiert werden. Die erste Waschmaschine, das erste Radio, später den ersten Fernseher. Bis zu welchem Maße erhöhen Gegenstände die Lebensqualität und erleichtern die Arbeit? Die Kurve flachte ab. Anstatt dies als gegeben hinzunehmen, wurde das Wirtschaftswunder zum Maßstab für eine florierende Wirtschaft. Eine Wirtschaft ständig am Limit.

      Wo brachte uns das hin: Ich möchte auf den Link aus dem Kommentar von Surp verweisen. Sinnentleerte Produkte, deren Bedarf erst manipulativ kreiert werden muss, bereichern nicht, sondern zwängen uns ein. Lebenszeit wird in die Waagschale geworfen und wiegt schwer. Außerdem muss der ganze Kram verwaltet werden.

      Die Revolution ist in unseren Köpfen. Wir hinterfragen. Was brauchen wir, was macht uns krank. Dem eigen Rhytmus folgen können, schützt vor Krankheiten, ebenso ein soziales Netzwerk, eine sinnvolle Aufgabe. Kann Arbeit das leisten? Ja, zumindest könnte sie es.

      Ein Bedingungsgrundes Grundeinkommen schützt den Rücken. Es lässt uns die Wahl.
      So unsinnige Modelle wie Aufstocker, ohne Zeit und ohne Geld, könnten keine Akzeptanz finden. Ein starker Rücken entlastet unser Gesundheitssystem.

      Was stimmt nicht mit unserer Wirtschaft? Es ist der Zinseszins. Alle 50 bis 100 Jahre gibt es eine Reform, eine Revolte, Rufe nach einer Umverteilung. Ab einer bestimmten Summe wird das Kapital zum Selbstläufer. Es wird immer wieder so enden, solange wir nicht die Prämissen ändern. Da traut sich aber keiner so richtig ran.

      Schritte zum BGE sind Mindestlohn, Sockeleinkommen, Abschaffung von Sanktionen, verbesserte Arbeitsbedingungen.

      Das reicht aber nicht. Unsere Konsumgesellschaft muss hinterfragt werden. Wir müssen uns darüber klar werden, was brauchen wir, was bereichert unser Leben, was wollen wir.

      Die Werte der Wirtschaft müssen hinterfragt werden. Wer trägt wofür Verantwortung, welche finanzielle Anerkennung steht ihm dafür zu. Wer trägt welches Risiko, wie ist das zu bewerten. Wer hat was gelernt, wer kann was, wer bringt was mit, möchten wir das anerkennen? Was ist moralisch angemessen, was ist unsittlich.

      Der Arbeitnehmer als Unternehmer auf gleicher Augenhöhe mit dem Chef, der sein Unternehmen eigenen Leben unternimmt. Das weckt Potential, ist aber nicht mehr so einfach zu händeln, weder für Arbeitgeber noch für Gewerkschaften. Flexibel bleiben und Machtansprüche abgeben, damit hadern viele.

      Druck erzeugt Gegendruck. Krawalle, Zerstörungswut, Krankheiten, Gewalttaten, Kriege kosten immens. Wir müssen über die Grenzen denken, nicht nur wenn es um Finanzen geht. Flache Hierarchien und Ausgewogenheit erzeugen keinen Neid. Der Lebensstandard aller Länder muss sich angleichen. Wir zerstören damit unsere Erde, sind wir nicht bereit, gleichzeitig unsere Ansprüche herunterzufahren.

      Ein abgesicherter Mensch, der sich frei entfalten darf, ist innerlich aufgeräumt, friedlich, freundlich. Er hat Zeit zu beobachten und sich Gedanken zu machen über sich, seine Mitmenschen, über Gott und die Welt. Denken bildet, gesunden Menschenverstand halt.

      Wie soll ich das alles in Zahlen fassen? Ich will es gar nicht.

      Wie anfangen? Einfach losgehen, mit jedem Schritt erscheint der nächste vor den Augen. Jeder fängt bei sich selbst an, zu hinterfragen. Und dann einfach sich umschauen und weitergeben.

      Am einfachsten ist es bei den Kindern. Hilfe zur Selbsthilfe geben, Eigenverantwortung stärken: Backen und Kochen schon im Kindergarten, die Spiele Unkrautrupfen, Platz kehren und Klo putzen spielen. Einkaufen spielen, wirtschaften spielen, Qualität prüfen spielen, spielen, spielen … Wir müssen mit den Kindern das Leben spielen. Wer spielend gelernt hat, arbeitet gerne. Und vor Allem, lasst uns mit den Kindern die Werte hinterfragen. Sie sind klug, denn ihre Welt ist reduziert auf das Wesentliche.

      Viele Grüße
      Wika

  16. Ich hatte versprochen, die Vorteile des BGE-Konzeptes noch einmal zusammenzufassen und beziehe mich dabei teilweise auf die Ausführungen des HWWI, die Thomas Straubhaar, Wirtschaftswissenschaftler und Direktor des Instituts, zur BGE-Studie gemacht hat. http://www.hwwi.org/fileadmin/hwwi/Leistungen/Gutachten/Grundeinkommen-Studie.pdf

    Das Grundeinkommen vermeidet die Notwendigkeit sozialpolitischer Eingriffe in den Arbeitsmarkt. Die gesunkenen Lohnnebenkosten geben dem Arbeitgeber mehr Elastizität, während der Arbeitnehmer frei entscheiden kann, ab welcher Lohnhöhe ihm das Geld mehr Befriedigung gibt als die durch Arbeit verlorene freie Zeit.

    Bei diesen Voraussetzungen gibt es keine unfreiwillige Arbeitslosigkeit mehr.
    Im Bereich der Geringqualifizierten wird der Trend zur Arbeitsaufnahme zunehmen, weil im Gegensatz zu heute zusätzliches Arbeitseinkommen nicht mehr angerechnet wird auf das Mindesteinkommen. Der gesamte erarbeitete und versteuerte Betrag gehört voll dem Arbeitnehmer.
    Im Bereich der Qualifizierten verbessert sich die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit. Sie kann jetzt ohne Existenzsorgen genutzt werden zur Weiterbildung, zur Kindererziehung, zum Versuch eigener Selbständigkeit oder zur intensiveren Suche nach dem idealen Arbeitsplatz.

    Langzeitarbeitslose hätten mehr Möglichkeiten, oberhalb ihres Grundeinkommens am Arbeitsmarkt auch Niedriglohnofferten zu finden und wahrzunehmen, denn Arbeit bedeutet nicht nur Gelderwerb, sondern ist ein wichtiges soziales Element der Kommunikation und des Erlebens.

    Die Voraussetzungen für eine Harmonisierung des Spannungsfeldes zwischen Beruf und Familie werden deutlich verbessert.

    Das Grundeinkommen schafft in Zeiten des Wandels unbedingte soziale Sicherheit.

    Nicht zu vergessen auch der Vorteil, dass der firmeninterne Kampf um den Arbeitsplatz, der zu Mobbing und kälterem Betriebsklima führt, sich durch die soziale Sicherheit des Grundeinkommens entspannt. Dadurch werden im Unternehmen Reibungsverluste reduziert.

    Ebenfalls werden sich die Unternehmen an das System der Teilzeitarbeit so weit wie möglich anpassen, denn es ist erwiesen, dass eine reduzierte Arbeitszeit leistungsfähiger und damit produktiver macht.

    Bei Arbeitslosigkeit würde Teilzeitarbeit dazu führen, das Arbeitspensum auf mehr Personen zu verteilen, weil die insgesamt geleistete Arbeitszeit sich nicht verändert.

    Unternehmen mit lohnintensiven Produkten profitieren beim BGE von den stark reduzierten Lohnnebenkosten. Das ermöglicht ihnen eher, die Arbeit und Arbeitsplätze in Deutschland zu belassen.

    Die meisten der heutigen Sozialtransfers werden durch das Grundeinkommen überflüssig, ebenfalls die mit den Transfers verbundenen Bürokratien. Die Realisierung der enormen Einsparungsmöglichkeiten bei den Verwaltungskosten hängt jedoch von der Durchsetzbarkeit des realen Arbeitsabbaus ab.

    Die derzeit höchst ungerechte Steuerverteilung auf die Arbeitskosten wird korrigiert. Im BGE wird das gesamte Volkseinkommen zur Deckung der Staatsausgaben gleichermaßen beitragen.

    Die Abschaffung sämtlicher Steuersparmöglichkeiten verbreitert die Besteuerungsbasis erheblich. Die Belastung wird ansteigen bei denen, die bis jetzt von den entsprechenden Möglichkeiten profitieren konnten.

    Das wenig transparente Geflecht von persönlichen Steuern, Freibeträgen und Abgaben wird ersetzt durch eine Flattax auf alle Einkommen. Alle Einkünfte aus Arbeit, Zinsen und Dividenden, Miete und Pacht werden vom ersten bis zum letzten Euro an der Quelle erfasst und mit einem einheitlichen und gleich bleibenden Steuersatz belastet.

    Grundeinkommen ermöglicht lebenslanges Lernen und eine den Neigungen entsprechende Berufswahl.

    Der Übergang in die Rentenphase kann gleitend erfolgen. Es gibt keinen Druck, bis 67 zu arbeiten. Jeder kann arbeiten, solange er will und kann. Das Grundeinkommen bleibt ihm immer erhalten.

    Grundeinkommen ist Hilfe zur Selbsthilfe in allen Lebenslagen und ohne bürokratische Hürden. Es zwingt den Menschen nicht – im Gegensatz zu heute – zu einer Verhaltensanpassung als Voraussetzung für die Gewährung des Existenzminimums.

    Ein Grundeinkommen erhöht die Bereitschaft, Veränderungen zu akzeptieren und Wagnisse einzugehen, fördert also Unternehmergeist und Selbständigkeit. Der zu erwartende Bürokratieabbau und die damit verbundenen geringeren Kosten helfen dieser Tendenz.
    Wer sicher sein kann, dass er bei Misserfolg nicht ins Bodenlose fällt, wird eher und mehr wagen. Er wird in Herausforderungen eher Chancen als Bedrohung sehen.

    Das BGE fördert einen Mentalitätswechsel in der Gesellschaft, der sowohl die unternehmerische als auch die individuelle persönliche Freiheit stärkt. Alle Bürger können teilnehmen an der Gesellschaft. Niemand wird ausgegrenzt. Jeder kann sich entsprechend seinen Fähigkeiten einbringen.

    Die gesellschaftlichen Auswirkungen werden günstig sein. Teilzeitarbeit erleichtert Verbindung von Familie und Beruf. Das und zum Beispiel Pflege der Angehörigen verbessern die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt. Eltern, die sich um ihre Kinder kümmern, verbessern auch deren Voraussetzungen für eine positive Entwicklung zum Vorteil der Gesellschaft. Insgesamt werden durch das Grundeinkommen nicht nur die Erwerbsarbeit, sondern auch die bisher nicht bezahlten Arbeiten im Dienst der Familie oder der Gemeinschaft, aufgewertet, weil es beide Tätigkeiten finanziell honoriert. Die Gewerkschaft ver.di formulierte das 2007 auf ihrem Bundeskongress als Begründung für den Antrag auf Diskussion zum Thema Grundeinkommen folgendermaßen: „Wir müssen uns vom Ideal der Vollbeschäftigung verabschieden und für die Zukunft andere Wege finden! Nutzen wir die Situation doch als Chance! Die Lösung liegt in einem Grundeinkommen für alle!“ Und weiter wurde festgestellt: „Das Grundeinkommen als bedingungslose Grundabsicherung ließe jeder Bürgerin/jedem Bürger die Freiheit, keiner Lohnarbeit nachzugehen. Der Wunsch nach einem Mehr an Konsum, dem Bedürfnis nach Anerkennung durch Entlohnung, die Freude an der Arbeit und der durch sie möglichen sozialen Interaktion, würde jedoch dazu führen, dass die Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger weiterhin erwerbstätig wäre. In einem Arbeitsmarkt ohne Lohnsubventionen oder Arbeitszwang hätten zudem bisher billig entlohnte, aber für die Gesellschaft wichtige Tätigkeiten, etwa im sozialen Bereich, einen echten Marktwert – ansonsten würden sie nicht ausgeführt.“

    Es folgt noch ein wichtiges Argument: „Ein bedingungsloses Grundeinkommen, das den Lebensunterhalt von der Arbeit abkoppelt, würde den Menschen die Chance eröffnen, Freiheit, Würde und Gemeinsinn zu gewinnen. …….. Frauen würden ganz besonders profitieren. Schließlich ist der zeitliche Umfang der Leistungen im Haushalt und im Ehrenamt, die nicht bezahlt werden, größer als das Zeitvolumen der bezahlten Arbeit im Beruf (Quelle: Statistisches Bundesamt, Wo bleibt die Zeit, 2003)“ ( http://bundeskongress2007.verdi.de/antraege_beschluesse/++skin++print/antrag.html?cat=B&sort=100 )

    (Allerdings ist ver.di in der Zwischenzeit von dieser hehren Begründung wieder abgerückt).

    Der größte Widerstand wird trotz der obigen ver.di-Aussage von der Seite der Gewerkschaften zu erwarten sein. DGB-Chef Sommer gab den Grundton schon vor: Grundeinkommen sei eine „Missachtung von Arbeit“. (www.finanznachrichten.de vom 05.02.2012). Das ist ein ganz neuer Vorwurf, zeigt aber, wie sehr er und seine Kollegen eine Schwächung ihrer Position befürchten, falls sich die Idee des BGE durchsetzen sollte.

  17. Hallo Dowdax,

    ich denke, der größte Widerstand kommt von denen, die Macht abgeben müssen.

    Ein freier Mensch lässt sich nicht so einfach kontrollieren.

    Der nächste große Widerstand kommt von denen, die Finanzmittel abgeben müssen.

    Der Gedanke, gerne seine Steuern zu bezahlen, um so für sozialesn Ausgleich sorgen zu können, ist bei uns nicht sehr verbreitet.

    Dann wird der Widerstand der Konsumenten große sein. Klar müssen wir uns einschränken, aber jeder sieht Sparpotential beim anderen.

    Wie viele Kleider braucht ein Mensch? Wie teuer darf das Kleid sein, wenn nicht wo anders Menschen dafür ausgenutzt werden?

    Wie lange hält ein Auto? Wer möchte Autos produzieren, die ein Leben lang halten? Dann eben wieder mit mehr Handarbeit, damit auch immer was zu tun ist? Wie teuer wird dann das Auto?

    Und damit wären wir beim Widerstand der Wirtschaft, die ihre Grundgedanke von Gewinnmaximierung und stetigem Wachstum aufgeben muss.

    Und wieder fange ich im Kindergarten an, den Kindern die Welt zu erklären, und in 20 Jahren haben wir sie, die neue Welt. Nur, wie vielen Kindern kann ich es sagen? Da bilde ich doch besser Kindergärtnerinnen aus. Es gibt aber Lehrpläne, wer macht die, also gehe ich doch besser ins Ministerium und fange besser oben an, in der Politik.

    Egal, wie Du auch immer schaust, von oben nach unten und wieder zurück, alleine ist es nicht zu schaffen. Hinterfragen, weitergeben und die Selbstverpflichtung, bei sich selbst zu anzufangen. Dazu ständige Selbstkontrolle, der Mensch gibt sich selbst so gerne nach.

    Ab und zu einen Machtknotenpunkt auflösen/umdrehen/ins Leere laufen lassen/überzeugen/auf die eigene Seite ziehen, so gehts.

    Meine Strategie: Entweder Politikerin oder Kindergärtnerin. Und Deine?
    Werde mich aber ausführlich mit der finanziellen Seite auseinandersetzen.

    Viele Grüße
    Wika

  18. Zu denen auf diesen Seiten vorgestellten Modellen favorisiere ich folgende:

    1. Schritt (sofort): Sockeleinkommen (sanktionslos) + Mindestlohn (Tarifverträge) + Koblenzer Modell (Solidaritätsbeitrag und Subventitionen für Kinder, Jugendliche, Erwerbslose und Rentner).
    2. Schritt (mittelfristig): Solidarisches Grundeinkommen (Wohngeldmodell) unter Einbeziehung der Transferleistungen und Umgestaltung des Sozialversicherungs (integriert) – und Umgestaltung des Steuersystems (Steuerflats) (vgl. Sozialstaat 3.0).

    3. Schnitt: Alternativ wäre das Konsumsteuermodell (vgl. Schweden) ein Neuanfang. Die Schwierigkeit sehe hich hier in der schrittweisen Einführung. Um einen Schnitt zu machen bräuchte es Einigkeit in der Politik und kein Oppositionsverhalten.

    Bitte nachlesen.

    Was zur extremen Beschleunigung von Finanzblasen (virtuelles Geld ohne Gegenwert) geführt hat, ist letztendlich nicht nur die fehlende Transaktionssteuer, sondern vor allem der Zinseszins (so schon im Alten Testament (Josphspfennig) erkannt und auch von Karl Marx angeprangert). Dadurch werden Kredite in Intervallen von 50 bis 100 Jahren stets zum Selbstläufer, der die Kluft zwischen Arm und Reich unweigerlich vergrößert. Regelmäßig gibt es einen Schuldenschnitte, Währungsreformen oder Revolten oder Kriege, die einen Neuanfang zwingend machen.

    Unser ganzes Handelssystem beruht auf dem System des Zinseszinses (Belohnung für das Vertrauen und das Risiko, Geld zu verleihen). Wir können ihn hinterfragen, aber abgeschafft werden konnte er schon seit 3000 Jahren nicht.

    Ein Ansatz, dies zu entschleunigen, ist die Gleichstellung des Steuersatzes von Steuern aus Arbeitseinkommen und die aus Vermögenseinkommen. Heute wird Arbeit mit ca. 45% versteuert und Vermögen mit ca. 25%. Dadurch toppt die Rendite aus Vermögen zwangsläufig die der aus Arbeit. Laut Angebot und Nachfrage konzentriert der Markt sich auf attraktive Geldanlagen, was schnell zu faulen Paketen führt und geführt hat. Blasen platzen, das ist ein Naturgesetz.
    (vielen Dank Dirk G. für diesen Gedanken)

    Die Einführung eines BGEs erfordert also eine Umstrukturierung unseres Steuer- und Finanzsystems, sonst würde der soziologische Ansatz (woraus sich der Sinn ergibt) nicht greifen. Alle Kritik, die dies außer Acht lässt, ist als nicht relevant anzusehen, da Prognosen nicht greifen, wenn von falschen Annahmen ausgegangen wird.

    Viele Grüße
    Wika

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